Unesco Sehenswürdigkeiten

Stonehenge – ein geheimnisvolles Tor in unsere Vergangenheit

Stonehenge © AndreasJ - Fotolia.comViele bedeutende Bauwerke sind von der Unesco zum Welterbe der Menschheit erklärt worden, aber nur wenige von ihnen bergen so viele Rätsel und Geheimnisse wie die Steinkreise von Stonehenge in der südenglischen Grafschaft Wiltshire. Sie ziehen Touristen und Forscher ebenso an wie Anhänger esoterischer Naturreligionen oder moderne Druiden. Über viele Jahrhunderte entwickelten Menschen Theorien darüber, wie die monumentale Anlage entstanden ist und zu welchem Zweck sie diente. Lange Zeit galt Stonehenge als Zeugnis eines geheimnisvollen keltischen Druidenkultes. Alte Sagen erzählen davon, wie der Zauberer Merlin die Felsblöcke aus Irland herbeirief und in einem magischen Kraftfeld aufstellte. Der Schweizer Schriftsteller Erich von Däniken meint gar, die Steinkreise seien von Außerirdischen erbaut worden um die kulturelle Entwicklung der frühen Menschheit zu fördern.
Heute steht fest: Die Wurzeln der Anlage liegen in der Jungsteinzeit, um 3000 v. Chr. Vor über 5000 Jahren errichteten unsere prähistorischen Vorfahren den kreisrunden Wall und den Graben, die die Kultstätte umgeben. Im Laufe der folgenden 1000 Jahre schafften sie dann die Felsblöcke herbei, die heute noch das Bild von Stonehenge prägen. Sie bearbeiteten die Steine kunstvoll und arrangierten sie in exakt bemessenen Kreisstrukturen. Den steinzeitlichen Bauarbeitern standen dabei nur einfachste Mittel zur Verfügung. Wälle und Gräben errichteten sie mit Hilfe von Hacken aus Hirschgeweihen und Schaufeln aus Holz. Die tonnenschweren Felsbrocken zogen sie mit Holzschlitten und Seilen über das Land. Die so genannten Blausteine, etwa 4 Tonnen schwere Felsen, die einen ersten, kleinen Steinkreis bildeten, holten sie aus den fast 400 km entfernten Waliser Bergen herbei. Die Felsen des großen Steinkreises hatten einen kürzeren Weg. Sie kommen aus einem nur etwa 30 km entfernten Steinbruch. Dafür aber lag ihr Gewicht zwischen 25 und 50 Tonnen. Moderne Schätzungen ergeben, dass die Zugkraft von etwa 1000 Menschen nötig war, um einen einzigen Felsen durch das hügelige Gelände zu bewegen. Insgesamt soll die Arbeit von mehr als 20 Millionen Mannstunden in dem mysteriösen Monument stecken.

Stonehenge anno 1960Immer noch liegt im Dunkeln, welcher Glaube die Menschen der Jungsteinzeit dazu bewegte, solche unglaublichen Mühen auf sich zu nehmen. Ebenso wenig ist bekannt, welche kultischen Feste und Rituale sie in Stonehenge begingen. Gräberfunde zeigen, dass die Kultstätte über Jahrhunderte zur Bestattung hochrangiger Mitglieder der Gesellschaft genutzt wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts stellten Wissenschaftler fest, dass die Steinsäulen exakt nach den Positionen der Sonnenwende und der Tagundnachtgleiche ausgerichtet sind. Seitdem sehen viele Forscher Stonehenge als eine Art prähistorisches Observatorium, das den Anhängern eines Sonnenkultes astronomische Berechnungen und die exakte Datierung ihrer Festtage erlaubte. Andere meinen, Stonehenge sei so etwas wie ein steinerner Kalender, mit dessen Hilfe die Menschen in der Umgebung günstige Zeitpunkte für Aussaat und Ernte ermittelten, und zugleich ein Tempel, in dem sie ihre Fruchtbarkeitsgottheiten verehrten.

Übrigens

Ansichtskarte von Igor AdolphDie Unesco erklärte Stonehenge im Jahre 1986 zum Weltkulturerbe, um die außergewöhnlichen kreativen, technologischen und kulturellen Leistungen unserer steinzeitlichen Vorfahren zu würdigen. Noch heute entdecken Wissenschaftler im Umkreis des Monumentes Zeugnisse der prähistorischen Kultur. So fanden Archäologen erst im Sommer 2010, kaum einen Kilometer von Stonehenge entfernt, eine bisher unbekannte Kultstätte. Auch die jungsteinzeitliche Siedlung Durrington Walls, in der die Erbauer von Stonehenge lebten, ist noch nicht vollständig erforscht. Fachleute schätzen, dass nur etwa 10% der prähistorischen Relikte bisher bekannt sind. Daher steht nicht nur Stonehenge selbst, sondern auch die weitere Umgebung als ein geheimnisvolles Tor in unsere Vergangenheit unter dem besonderen Schutz des Unesco-Weltkulturerbes.